About the Meaning of Romanticism

About the Meaning of Romanticism

Das Adjektiv romantisch stammt aus dem Englischen romantic und wurde im Französischen als romanesque oder romantique übersetzt und galt anfangs ausschließlich zu Bezeichnung von Landschaften. Allmählich erweiterte es sich und wurde im Sinn von zärtlich oder melancholisch auch auf Personen bezogen.

Was aber bedeutet Romantik in der Sache? Kaum jemand ist sich im Unklaren darüber, dass romantisch und Romantik einer Bedeutungsverschlechterung ausgesetzt sind. Es dient inzwischen auch zur blumigen Bezeichnung von Geschlechtsakten. Beide Wörter spiegeln den Erfolg einer Kitschindustrie. Es sollte daher durch die englische Bezeichnung romanticism ersetzt werden. Im Unterschied zu Romantik drückt romanticism eine gewisse Selbstdistanz aus. Diese ist erforderlich, um kitschfrei über das romantische Phänomen zu sprechen.

Die Literaturwuissenschaft verzweifelt über romantische Erscheinungen, denn sie zählt inzwischen mehr als 11.326 Definitionen dieser Bezeichnung. In jedem Fall waren zwei Autoren Romantizisten, CERVANTES mit seinem Don-Quijote-Roman in Spanien und im Norden sein alle überrasgender Zeitgenosse WILLIAM SHAKESPEARE. Beide betrieben Romanticism, weil sie zugleich an die Motivsprache der Antike gebunden waren. SHAKESPEARE behandelt antike Stoffe wie die Ermordung Caesars und der Folgen, die Geschichte vom Untergang des Antonius und der Kleopatra und den Kampf der Griechen gegen Troja. Am Ende von Ein Sommernachtstraum bemerkt der Waldspuk Puck zu den Zuschauern, sie hätten sich auch in einem Traum befinden können, in dem diese Erscheinungen aufträten: „That you have but slumbered here/While these visions did appear.“ Das Leben als Traum, zugleich ein Theaterstück des Spaniers CALDERON DE LA BARCA, bildet ein Motiv des Romanticism. Zugleich, so SHAKESPEARE weiter, verwandeln die Dichter ein „luftiges Nichts“ in ein benennbares Etwas. Auch Don Quijote ist Metapher, die zur Realität drängt. In seinem wirklichkeitsverkennenden Wahn sucht er unsterblichen Ruhm der antiken Helden und arbeitet an der Wiederkehr des goldenen Zeitalters.

Romanticism wurde von dem Philosophen HEGEL als nachklassische Kunst gedeutet. Sie sei gekennzeichnet durch den Verlust jedes Maßes zwischen Kunstabsicht und Kunstwerk. Während, wie im Fall der altoroentalischen Kunst der Sphinx das Ideal nich nicht erreicht sei, das erst die griechische Kunst fand, habe der Romanticism das Ideal überschritten. Es gebe somit kein Werk mehr, in dem sich Kunstwollen ausdrücke. Romaticism sei daher eine Mangelkunst. Doch der Romanticism selbst versuchte zu demonstrieren, dass damit kein Kunstmangel vernunden ist. „I would, I were a careless child/ Stulll dwelling in my Highland cave“ sprach Lord BYRON aus: der Wunsch des Erwachsenen nach ewig währender Kindheit.

In Deutschland wurde man, wie auch in allen anderen kuturellen Bereichen, grundsätzlicher. Es war FRIEDRICH SCHLEGEL, der die romantische Poesie als „progressive Universalpoesie“ definierte. Ihr Ziel sei eine Avantgarde, welche die Trennung von Publikum und aufhebe, um das „Leben und die Gesellschaft poetisch (zu) machen“. Zudem gelte: „Die romantische Dichtart ist noch im Werden“ und könne „nie vollendet sein.“ SCHLEGEL sprach auch von der Morgenröte einer Dichtung, die nunmehr Siebenmeilenstiefel angezogen habe. Später dichtete EICHENDORFF: „Schläft ein Lied in allen Dingen,/Die da träumen fort und fort./Und die Welt hebt an zu singen,/Trifftst du nur das Zauberwort.“ Hier wird der Kunsterfolg als Magie beschrieben, über die niemand verfügt, außer das Dichergenie, das aber keine Rechenschaft über seinen Erfolg zu geben vermag. KANT wollte, dass allein das Genie der Kunst ihre Regeln gibt und trug somit zum Romanticism bei.

Noch tiefer in die Wurzeln des Romanticism führt und Hardenberg, der sich selber den Kunstnahmen NOVALIS im Sinne eines noch unbebauten Feldes gab. In seinen Hymnen an die Nacht schrieb er: „Abwärts wend‘ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht. Fernab liegt die Welt – in eine teife Gruft versenkt – wüst und einsam ist ihre Stelle.“ Im 16. Jahrhundert hatte MICHELANGELO dem Motiv der Nacht einen romantizistischen Ausdruck gegeben. Sie schläft als antike Göttin des Romanticism. Auf die Zeilen eines Bewunderers der Nacht-Statue antwortete MCHELANGELO, die Nacht wolle Schlaf und Stein bleiben, da die Menschen alles zerstören. Man dürfe die Nacht daher nicht wecken. Der Nachtzustand drücke den beabsichtigten Weltzustand aus. Im 19. Jahrhundert erinnerte CHARLES BAUDELAIRE mit Bewunderung an diese Statue: „große Nacht, Michelangelos Tochter, Die sich friedlich seltsam dreht,/Ihre Reize küssen die Titaten.“ BAUDELAIRE war, wie zuvor GOETHE, vom Bild der Nacht zutiefst angezogen. Mephistopheles sprach von der „Mutter Nacht“, das früher als das Licht existierte. Bei BAUDELAIRE erscheint die Nacht als ersehnte Person, die sem Ich einen Rückzug zu sich selbst verschafft. Doch Novalis ging noch weiter. Dich Nacht verneint alles Existierende. Sie sei hukig, unaussprechlich, geheimnisvoll, während die Welt wüst und einsam werde. Was aber ist die Nacht? NOVALIS: Sie sei ein „unerschöpfliche(r) Traum“ in einem ewig währenden Schlummer der Seele. Die Welt sei leer geworden, und die Nacht zur „Heimat.“ Am Ende kommt es zur Aussöhnung mit der Antike. Die goldene Zeit vereine sich mit dem Christentum. Alle laufen hinaus auf die Feststellung: Wenn die Welt nicht mehr unsere Heimat ist, dann treten wir in eine Epoche der Weltnacht ein. Auch HÖLDERLIN beteiligte sich an dieser Sicht: „die Schwärmerische, die Nacht kommt,/Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns,/ Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen.“ Im Gendern ist HÖLDERLIN dieser Zeit mit „Fremdlingin“ weit voraus. Die Nacht ist fremd, weil die Menschen der Welt zugehören, während die Nacht uns die Unendlichkeit des Kosmos zeigt.

Romanticicm geht also von einer unvermeidbaren Spaltung von Kunstbestreben und Kunstwerk aus und kompensiert dies als authentisches Scheitern im Ozean expressiver Möglichkeiten. Dafür fand Goethe das Bild des Malers ohne Hände. Dafür bestimmte VICTOR HUGO Romanticism als vervielfältigtes Bild des Grotesken und Hässlichen. Und BAUDELAIRE sprach von „glühenden Seufzern“, die an der Ewigkeit der Gottheit sterben.

Zum Abschluss noch eine Bemerkung zu einem publikumsrelevanten Beifang des Romanticism als Episode eines Pseudo-Helden, in dessen Sportwagen Kanonen eingebaut sind und der alle seine gewalttätigen Gegner erschießt. Dieser ist am Ende tödlich kontaminiert und versucht die Erde vor einem Genozid zu retten, wobei eine Unterscheidung der Gerechten und der Verwerflichen kaum noch möglich sei. Am Ende soll ein Labor für biologische Waffen durch Atomraketen (?) zerstört werden. Der Pseudoheld gibt von der Insel aus den Befehl zur Zerstörung. Doch es gelingt ihm nicht, die Insel zu verlassen. Er wird Opfer der Raketenzerstörung der Insel des Grauens. So endet 2021 der James-Bond-Film No Time to Dy. Auch dies ist Romanticism, zumindest dessen Beifang. VICTOR HUGOS Urteil, dass Romanticism eine Vervielfältigung des Grotesken und Gewalttätigen bringe, wird bestätigt. Dieser Thriller zeigt, dass ein Weltretter im Akt der Weltrettung selbst untergeht.

Dass die romantischen Dichter das gesamte Weltgeschehen längst in den Traumzustand einer Weltnacht versetzten, blendet der Bond-Film zu Unterhaltungszwecken durch Gewaltentfesselung aus, die zugleich den Stoff der geostrategischen Gewaltbesessenheit der NATO-Länder und ihrer Feinde bilden.

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