Aus der Geschichte von Epi- und Pandemien

Aus der Geschichte von Epi- und Pandemien

Die Erdbevölkerung befindet sich seit Beginn des Jahres 2020 in einer Covit-19-Pandemie. Für sie gelten die beiden medizinisch-methodischen Vorbehalte  des Hippokrates: Erfahrungsunsicherheit und Urteilsschwierigkeit. Daraus folgt, dass niemand den Verlauf einer Pandemie vorauszusagen in der Lage ist.

Aus der Geschichte von Epi- und Pandemien sei hier in Kürze Bezug genommen auf: 1. Eine Seuche in Athen, 2. von Seuchen im antiken Rom, 3. von der Europäischen Pest im 14. Jahrhundert und schließlich 4. von der von den USA ausgehenden, Pandemie, die auf unpassende Weise als „Spanische Grippe“ bezeichnet wurde.

1. Eine Seuche im Jahre 430 vor u. Z. in Athen, vermutlich Typhus, über die der Historiker Thukydides berichte: Sie erfasste alle, führte zu Verzweiflung und Mutlosigkeit. Folgen für das Verhalten der Menschen: „Weder Götterfurcht noch Menschensatzung hielt sie in Schranken.“ (Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, Stuttgart 2016, 148-150 (2. Buch, Kap. 51).

2. Aus der römischen Antike sei auf drei Seuchen verwiesen, auf die Cyprianische Pest, die Yersinia Pestis und die Justinianische Pest. Alle drei forderten ungeheure Menschenopfer. Der US-Historiker Kyle Harper hat sie in seinem Buch Fatum. Das Klima und der Untergang des römischen Reiches, München 2020, ausführlich dargestellt. Zur Justinianischen Pest fasst er zusammen: „Alles, was wir über die Justinianische Pest wissen, lässt darauf schließen, dass der Tod tatsächlich die Hälfte der Bevölkerung dahinraffte (Harper 2020, 340). Für einen christlichen Zeugen galt damals: Die Seuche „war ein Zeichen dafür, dass das Weltende nahe war“ (Harper 2020.331).

An dieser Stelle wird, wie auch in der Pest im 14. Jahrhundert, deutlich, dass Seuchen in der Tat das Überleben der Menschengattung bedrohten. Doch dies galt allerdings nur so lange, wie die Menschen in Millionen und nicht in vielen Milliarden gezählt wurden. Mit einer Erdbevölkerung von knapp 8 Milliarden Menschen würden die ungeheure Opferzahl von 100 Millionen (wie bei der „Spanischen“ Grippe vor 100 Jahren angenommen) gesamtdemografisch nicht mehr relevant sein, auch wenn jeder Tote einer zu viel ist.

3. Die Pest des des 14. Jahrhunderts forderte nicht allein Europa zahllose Opfer, sie tötete auch im chinesischen Reich gar bis zu 40% der Bevölkerung. (A. Weigl, Bevölkerungsgeschichte Europas, Wien 2012, 53f.).

Unglaubliches berichtet uns Giovanni Boccaccio in der Vorrede zu seinem Decameron: “was das Schrecklichste ist und kaum glaublich scheint: Vater und Mutter weigerten sich, ihre Kinder zu besuchen und zu zu pflegen, als wären es nicht die ihrigen (G. Boccaccio, Das Decameron, Frankfurt 1961, 12).

4. Ab 1918 wütete die bisher tödlichste Seuche, eben jene „Spanische“ Grippe. Die britische Autorin Laura Spinney urteilt einmal, „dass es womöglich hundert Millionen Tote gab, eine so gigantische Zahl, dass das das damit verbundene Leiden jede menschliche Vorstellung übersteigt“ (L Spinney, 1918. Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte, München 220, 202)

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