Dante, Don Quijote, Faith-Book – Kapitel 1, Teil 1

Dante, Don Quijote, Faith-Book. Roman vom Rande jener Zeit, als die Corona-Pandemie ihr Zerstörungswerk begann

Kapitel 1, Teil 1

Widmung

Dieser Text ist allen jenen gewidmet, die Todesopfer jener Pandemie wurden, die im Jahre 2020 den Globus unvermeidlich mit Tod und Not überzog und die zugleich auch die kulturelle Produktion in den Zustand starrer Leblosigkeit versetzte. Die Möglichkeit einer solchen Pandemie erscheint jedoch nur am Rande des folgenden Textes und wirkt deshalb umso bedrohlicher. Die Informanten werden verhöhnt und ausgelacht. Dante – um so viel zu verraten – flieht am Ende vor der Seuche in die Höhe, während Don Quijote und Sancho Schutz in einer afrikanischen Wüste suchen, bevor sie nach Utopia aufbrechen.

Erster Teil: Im Zwielicht der Literatur

Eine nicht beantwortete Frage

Jeder noch nicht zu Ende geschriebene Satz diktiert dem Schreibenden die Vollendung des Unvollendbaren. »Glaubst du an das Ende der Menschengattung?«, wollte Don Quijote von Dante wissen. Denn Don Quijote war lange von Vorahnungen geplagt. Ein Virus werde sich von Asien ausbreiten und immer mehr Tod und Not überall produzieren. Zuerst werden die Menschen mit Vorerkrankungen sterben. Doch ist das nicht die Mehrheit der Menschen? Dante, gewöhnt an zuweilen geäußerte apokalyptische Fantasien seines spanischen Freundes, hörte nicht wirklich zu, denn er war damit beschäftigt, eine Verbindung zu Beatrice im Paradies aufzubauen. Wieder klappte es nicht. Das Paradies schien gegen externe Funkverbindungen rätselhaft abgeschirmt. Weder kommen Nachrichten von denen, noch erreichen wir sie. Don Quijote schüttelte den Kopf. Welche Vorwahl er denn wähle, wollte er von Dante wissen. 0110011, brummte Dante. Es hatte einmal funktioniert. Er hatte dort angerufen, um einen Rückruf der Beatrice gebeten, und der kam gleich. Warum bei allen Teufeln und allen Heiligen sollte es diesmal nicht funktionieren!«

Don Quijote fand: Dante fluche zu viel und rühre zu viel Transzendenz in die Flüche hinein. Wenn das im Jenseits registriert wird – und dort könne alles registriert werden, die NSA sei bloß ein Zirkus im Vergleich zu den All-Sensoren der Transzendenz – dann schalten die auf Ignoranz. Sind die Himmlischen nicht weitaus schneller beleidigt, aber auch leichter zu beruhigen als die Menschen? Doch dann kam ihm ein Einfall, und er bemerkte: »Dante, ich habe gehört, sie wechseln dort die Vorwahl häufig. Auch soll es vorkommen, dass nicht nur Zahlen verwendet werden. Auch #, auch +, auch @, auch ©, auch αῶ seien möglich. Altgriechische Kommunikation werde dort sogar erneut wieder bevorzugt. En arche en ho logos, anfänglich war nicht ein Ort, anfänglich war das Wort.« Der Don wartete zu jener Zeit noch auf seine verstetigte, sich noch erst in der Ferne ankündigende Wahnlust, verbunden mit seinen irreal scheinenden Vorahnungen. Noch wusste er genau, dass er Dante belog, denn noch wurde er nicht von seinem Wahn beweht und bewegt. Nie schien er hellsichtiger als jetzt. Um Dante abzulenken, fiel ihm exakt diese Lüge ein. Dante hielt er für leichtgläubig. Er probierte #, +, @, er probierte © aus. Nichts.

Fortsetzung folgt…

Ein Gedanke zu „Dante, Don Quijote, Faith-Book – Kapitel 1, Teil 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.