Schenkte der Kaiser Konstantin der Kirche einen Staat?

Schenkte der Kaiser Konstantin der Kirche einen Staat?

Im 19. Jahrhundert hat der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt dargelegt, dass in italienischen Renaissance nicht etwa nur einzelne Päpste, sondern dass die Institution des Papsttums in ihrem Bestand gefährdet war. Denn damals wurde das Papsttum fast erblich. Doch im Jahre 1440 holte der Humanist Lorenzo Valla (1407-1457) zu einem Angriff aus, der bis heute nachwirkt. Valla zeigte auf, dass jene Schenkung des Kaisers Konstantin, die ein Anrecht des Papstes auf ein Hoheitsgebiet begründen soll, aus einer Fälscherwerkstatt des Mittelalters hervorging. Das Mittelalter war ohnehin voller gefälschter Dokumente.

Lorenzo Valla zog die Folgerung. Sie lautete: „Der Papst möge allein Stellvertreter Christi und nicht auch des Kaisers sein.“ (Ut papa tantum vicarius Christi sit et non etiam Caesaris.)

Die katholische Kirche räumte erst fünfhundert Jahre später ein, dass es sich bei der „Konstantinischen Schenkung“ um eine Fälschung handelt.

Literatur

Bernhard H. F. Taureck, Machiavelli-ABC, Leipzig, 2002, 188

Ein Gedanke zu „Schenkte der Kaiser Konstantin der Kirche einen Staat?

  • 19. Januar 2021 um 3:12 pm
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    Dieses Magazin stellt hohe geistige Ansprueche, denen ich mich bemuehe, zu genuegen! So wusste ich z.B. nicht, dass, ich zitiere:

    ‚dass jene Schenkung des Kaisers Konstantin, die ein Anrecht des Papstes auf ein Hoheitsgebiet begründen soll, aus einer Fälscherwerkstatt des Mittelalters hervorging‘. Dass allerdings das Mittelalter voller gefaelschter Dokumente war, das wusste ich! So kann es nicht verwundern, dass Aberglaube und boeswillige Verzerrungen sehr bald die Koepfe des mittelalterlichen Poebels verdrehte- und dass diejenigen, welche keine Verzerrungen aufwiesen sehr oft mit Folter und Scheiterhaufen bestraft wurden. Die christliche Kirche hat aus dem aufopfernden Schmerzenmann aus Palaestina, der umgeben von Tieren in einem Stall geboren wurde – eine Missgeburt geschaffen, die wohl alles zulaesst, wenn man sie bloss ans Kreuz geschlagen ueber sein Bett haengt.

    Es ist zu schade, dass das meiste, was der Mensch gut beginnt, im Desaster endet – leider! Dies trifft insbesondere auf die Religionen zu, wobei es nicht der Fehler derer Begruender ist, sondern zurueckzufuehren ist auf die Erstarrung nach deren Ableben und die damit zusammenhaengende Buerokratisierung und als Folge die daraus entstehende unvermeidbare Verdrehung, Verstaubung und Einfrierung, welche jegliche neuen Ideen grausam abstraft und statt lebendiger Intuition und Farbenfreude – tote Doktrinen und Grauzonen liefert!

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